Wenn der Herbst im Hals kratzt – Husten beim Pferd ganzheitlich betrachtet

Kaum werden die Tage kürzer und die ersten kühlen Morgen kommen, höre ich ihn wieder häufiger: diesen kleinen Huster beim Antraben. Manchmal nur einmal, manchmal begleitet von etwas Nasenausfluss – und manchmal bleibt der Husten hartnäckig.
Gerade im Herbst lohnt es sich deshalb, bei den Atemwegen unserer Pferde genauer hinzuschauen.
Denn mit dem Wetter verändert sich auch der Alltag unserer Pferde. Die Weidezeit wird kürzer, die Stallzeiten länger und damit verändert sich die Luft, die unsere Pferde über viele Stunden am Tag einatmen.
Nicht jeder Husten kommt von einer Erkältung
Wenn ein Pferd hustet, denken viele zunächst an eine Erkältung. Doch gerade bei wiederkehrendem Husten lohnt sich ein genauerer Blick.
Wie sieht es mit der Stallluft aus? Wie staubarm ist das Heu? Welche Einstreu wird verwendet? Wie wird das Raufutter angeboten? Und wie viel Zeit verbringt das Pferd tatsächlich an der frischen Luft?
Denn Heustaub, Einstreu und andere feine Partikel können die Atemwege reizen. Besonders beim Fressen von trockenem Raufutter sind die Pferde über viele Stunden potenziell solchen Belastungen ausgesetzt.
Deshalb beginnt für mich die Unterstützung eines hustenden Pferdes nicht automatisch bei einem bestimmten Mittel, sondern zunächst bei der Frage:
Was können wir im Alltag verändern, damit die Atemwege möglichst wenig belastet werden?
Das Pferd als Ganzes betrachten
Genau hier setzt für mich die naturheilkundliche Betrachtung an.
Ich möchte nicht nur wissen, dass ein Pferd hustet. Mich interessiert auch, wann es hustet, wie der Husten klingt und in welcher Situation er auftritt.
Hustet es beim ersten Antraben? Beim Fressen? Morgens im Stall? Oder wird es draußen besser?
Gleichzeitig schaue ich auf das gesamte Pferd: Wie ist sein Allgemeinzustand? Wie kommt es durch den Fellwechsel? Wie sehen Haut und Fell aus? Wie funktionieren Verdauung und Stoffwechsel? Wie wird das Pferd gefüttert, gehalten und bewegt?
Denn kein Pferd ist wie das andere.
Was einem Pferd guttut, muss beim nächsten nicht die richtige Unterstützung sein. Naturheilkundliche Begleitung sollte deshalb immer individuell erfolgen und das Pferd in seiner eigenen Regulation unterstützen.
Manchmal beginnt Unterstützung ganz einfach
Frische Luft, möglichst staubarme Bedingungen, hochwertiges und hygienisch einwandfreies Raufutter, gute Stallhygiene und ausreichend Bewegung können bereits wichtige Bausteine sein.
Dabei geht es nicht darum, aus jedem Husten ein großes Problem zu machen. Ein gelegentlicher Huster kann vorkommen.
Aber: Husten ist ein Signal.
Und Signale dürfen wir ernst nehmen.
Hält der Husten an, nimmt er zu oder kommen Fieber, deutlicher Nasenausfluss, Atemnot, erhöhte Atemarbeit oder Leistungseinbußen hinzu, sollte zunächst tierärztlich nach der Ursache geschaut werden. Die Naturheilkunde kann anschließend – je nach Befund – sinnvoll ergänzend eingesetzt werden.
Mein Herbst-Tipp
Nehmen Sie sich in den nächsten Wochen einmal ganz bewusst ein paar Minuten Zeit für Ihr Pferd.
Beobachten Sie es beim Fressen. Hören Sie beim Antraben genau hin. Achten Sie auf seine Atmung und darauf, ob sich etwas verändert.
Denn oft sind es die kleinen Veränderungen, die uns frühzeitig zeigen, dass unser Pferd gerade ein wenig mehr Aufmerksamkeit braucht.
Und manchmal ist genau dieser erste kleine Huster die Einladung, einmal genauer hinzuschauen.
Ich finde: Der Herbst ist eine wunderbare Gelegenheit, die Gesundheit unserer Pferde wieder ganz bewusst in den Mittelpunkt zu stellen.

Kommentare